Reformer, Visionär, Menschenfreund – Erzherzog Johann und die Steiermark

Kein Anderer hat der Steiermark derart eindrucksvoll seinen Stempel aufgedrückt wie Erzherzog Johann. Niemand sonst hat Land und Leute nachhaltiger geprägt als der bekannte Visionär und Reformer. Sei es in der Erneuerung der Landwirtschaft, der Begründung der industriellen Revolution oder ganz privat - der Habsburger Vordenker setzte neue Maßstäbe.

Eigenhändig hat er das von ihm so innig geliebte, ärmliche Bergvölkchen in der Steiermark in die industrielle Moderne geführt, immer mit Bedacht auf die eigenständige Kultur und den kernigen Charakter der Landschaft und ihrer Bewohner. Wir wollen anlässlich unseres 190-jährigen Bestehens einen Blick auf sein einzigartiges Wirken in der grünen Mark werfen.

Kindheit in der Toskana, Erwachsenwerden in Wien

Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich wurde als 13. Kind von Großherzog Leopold von Toskana und seiner Gattin Maria Ludovica von Spanien in Florenz geboren. Schon der Name des neugeborenen Prinzen war in Habsburger-Kreisen eine kleine Sensation, wenn nicht sogar ein Tabu: Seit Johann Parricida im Jahr 1308 seinen Onkel König Albrecht I. ermordet hatte und Don Juan de Austria, dem außerehelichen Sohn Kaiser Karls V., war kein Habsburger mehr auf den Namen Johann getauft worden. Den Namen Johann erhielt er zu Ehren von Johannes dem Täufer, dem Stadtpatron von Florenz.

Schon die Taufe an sich stellte ein Novum dar, denn die Taufpaten des neunten Sohnes Leopolds waren „nur“ ein einfacher florentinischer Bürger und ein ungenannter Kapuziner. Ein Omen der zukünftigen Bürgernähe des heranwachsenden Aristokraten? Jedenfalls war Johanns reformorientierter Vater darauf bedacht, seine Kinder nicht von der Prunksucht des wankenden Absolutismus blenden zu lassen und führte sie schon früh in Reisen und Ausflügen an den bescheidenen Alltag ihrer zukünftigen Untertanen heran. Einfachheit und Schlichtheit sollten ihnen nicht fremd sein.

Johann im Alter von etwa 18 Jahren.
Johann im Alter von etwa 18 Jahren.

Mit der Kaiserkrönung des Vaters begann für Johann seine Zeit in Wien. Die Residenzstadt, in der er nie wirklich heimisch wurde, irritierte den idealistischen Jugendlichen und stieß ihn mit ihrem übermäßigen Pomp ab. Mit Feuereifer vertiefte sich der junge Johann ins Studium von Geschichte, Naturwissenschaft, Landwirtschaft und der Kultur des „einfachen Volkes“. Erst nach seiner militärischen Laufbahn in der turbulenten Zeit der Napoleonischen Kriege und über seine Faszination für die Schweiz und Tirol, entdeckte er seine Wahlheimat, die Steiermark, für sich. Eine für beide Seiten höchst vorteilhafte Verbindung.

Erzherzog Johann in der Steiermark – Gründer, Entdecker, Bauer, steirischer Prinz

Ab 1810 besuchte Johann regelmäßig die Steiermark. Die Gründung des Joanneums im Jahr 1811 erforderte des Öfteren seine Anwesenheit. Alle seine Unternehmungen machte er als Privatmann, er hatte keine öffentliche Funktion inne. Mit der Gründung des Joanneums verfolgte er das Ziel, das einfache Volk an Bildung heranzuführen, gleichzeitig sollte es eine Forschungs- und Lehranstalt sein. Viele berühmte Wissenschaftler der Zeit forschten unter seiner Schirmherrschaft. Wichtig war ihm vor allem praktisches Wissen, das zur Entwicklung von Gewerbe, Bergbau und Industrie beitragen sollte. Heute ist das Universalmuseum Joanneum das zweitgrößte Museum Österreichs und eines der renommiertesten Europas.

1822 erwarb Erzherzog Johann bei Vordernberg ein Radwerk. Nach seiner Englandreise im Winter 1815/1816, auf der er die technischen Errungenschaften der voranschreitenden industriellen Revolution kennenlernte und sogar James Watt traf, war in ihm der Wunsch erwachsen, den Fortschritt auch in die Steiermark zu bringen. Aber Johann hatte in England nicht nur beeindruckende neue Maschinen und imponierende Industrieanlagen besichtigt. Ihm, der immer schon ein stark ausgeprägtes Bewusstsein für die einfachen Leute hatte, blieb das Elend der Massen, die in den Fabriken schufteten, nicht verborgen. Er erkannte die Notwendigkeit zur Etablierung neuer Technologien zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes, verstand aber auch, dass eine zu Knochenarbeit gezwungene Bevölkerung über kurz oder lang Revolution üben würde. Ziel war, durch den Einsatz der in der Industrie erzeugten Maschinen die Lebensqualität des Bauernstandes zu heben.

Im Jahr 1878 ehrten die Steirer Erzherzog Johann mit einem überlebensgroßen Bronze-Standbild am Grazer Hauptplatz. © Andrew Bossi, CC BY-SA 2.5;

Johann machte sich ans Werk. Er veranlasste den Bau einer Eisenbahnroute über den Semmering, die die Obersteiermark – ein Gebiet, in dem schon seit jeher Erz gefördert wurde – mit den wichtigen Knotenpunkten Wien und Triest verband. Die zugrundeliegende Idee war sogar die sogenannte Europa-Transversale, die Verbindung von Hamburg nach Triest. Es war ein Projekt, ohne das das Hüttenwesen in der Region früher oder später zum Erliegen gekommen wäre, denn auch die notwendige Versorgung mit Holzkohle wurde so sichergestellt. Um das fachliche Wissen der Gegend zu kultivieren und auszubauen, gründete er in weiterer Folge 1840 die „Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt“, aus der später die Montanuniversität Leoben hervorging.

Erzherzog Johann in der einfachen Tracht der steirischen Bauern.

Der damaligen Regierung unter seinem Bruder Kaiser Franz I. und Außenminister Metternich waren sein Interesse und sein Engagement für die Anliegen der kleinen steirischen Bauern höchst suspekt, wenn nicht sogar gefährlich erschienen und so ließ man ihn des Öfteren bespitzeln. Johann war sich dieser Überwachung bewusst, stand ihr aber demonstrativ gleichgültig gegenüber. Heute verdanken wir dieser fragwürdigen Praktik des Polizeistaats aber genaue Aufzeichnungen über Routen und Wege, die der Erzherzog bei seinen Wanderungen durchs Gebirge nahm. Aus den Akten lässt sich das Ausmaß seiner „Gewaltmärsche“ rekonstruieren: Bei einer 12-tägigen Wanderung durch die Obersteiermark bezwang er 8000 Höhenmeter, reine Marschzeit: 6 Stunden täglich. Nicht selten waren Berghütten und primitive Almverschläge sein Quartier. Statt Paradeuniform und Orden trug er die praktische Kleidung der steirischen Bauern. Kein Wunder, dass die prunkvoll residierende Wiener Obrigkeit dieser Lebenshaltung verständnislos gegenüberstand. Doch der Erzherzog liebte „seine“ Steiermark und körperliche Anstrengung war ihm nicht fremd.

„Tätig zu sein ist unsere Bestimmung“

Als er einmal beim Almabtrieb in der Nähe seiner Musterlandwirtschaft, dem Brandhof in Mariazell, von einem durchgehenden Stier attackiert wurde, zog er sich schwere Verletzungen und eine ausgerenkte Schulter zu. Er schiente sich selbst den Rücken mit einem Stuhl, da er vier Stunden auf einen Wundarzt warten musste. Nach dem Erwerb des Brandhofs 1818 veranlasste er einen Zubau mit Kapelle zum Hof und betätigte sich selbst unter den Arbeitern als einfacher Maurer. Johann war sich für nichts zu schade, Hochmut war ihm fremd.

Es lag daher in seinem Naturell, dass er, dem Prinzessinnen und Zaren-Schwestern zur Heirat angetragen wurden, sich in ein einfaches Bürgersmädchen verliebte: die Tochter des Ausseer Postmeisters, Anna Plochl, die er bereits 1819 am Toplitzsee kennenlernte. Eine Liebe, die für die damalige Zeit provozierend wirken musste. Ein Habsburger und eine Bürgerliche? Unerhört! Trotz aller Schikanen, die ihm sein kaiserlicher Bruder und gesellschaftliche Konventionen in den Weg legten, durfte er seine geliebte Anna nach Jahren des Wartens 1829 endlich heiraten. Wieder hatte er sich mit großer Ausdauer gegen alle Widrigkeiten der Zeit durchgesetzt und von Franz I. die Erlaubnis zur Eheschließung erstritten, auch wenn er dabei auf alle Ansprüche auf den Thron verzichten musste.

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Anna Plochl und Erzherzog Johann lernten sich am Toplitzsee kennen.

Zusammen lebte das Paar abwechselnd am Brandhof, beim Radwerk in Vordernberg, in Graz und im neu erworbenen Weingut in der Untersteiermark. Aus erster Hand kannte Johann die Bedürfnisse des Bauernstandes.

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Die Statue des Erzherzogs in der Grazer Generaldirektion der GRAWE.

Als in der Steiermark eine Hungersnot um sich griff, verteilte er persönlich Kartoffeln an die notleidende Bevölkerung. Mit der Gründung der „Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft“ im Jahr 1819 bemühte er sich, die Entwicklung und Produktivität der Landwirtschaft voranzutreiben. Das ging von der Einführung neuer Getreide- und Obstsorten bis zu Schulungen für die richtige Viehhaltung. Aus Johanns Gründung ging in weiterer Folge im Jahr 1929 die „Steirische Landwirtschaftskammer“ hervor. Und weil der (land)wirtschaftliche Aufschwung auch immer eine breite Absicherung braucht, legte der „steirische Prinz“ im Jahr 1828 den Grundstein für die heutige GRAWE, die „k. k. privilegierte innerösterreichischen Brandschaden-Versicherungs-Anstalt für Steiermark, Kärnten und Krain“. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute gelebt wird.

Mausoleum Johanns in Schenna. © Alexander Z., CC BY-SA 3.0;

1850 wurde er außerdem zum ersten Bürgermeister von Stainz gewählt – als Mitglied des Kaiserhauses ein bis dahin unvorstellbares Ereignis in der Geschichte Österreichs. Am 11. Mai 1859 starb Erzherzog Johann in Graz, im Herzen „seiner“ Grünen Mark. Johanns zahlreiche und vielfältige Errungenschaften wirken nachhaltig bis heute fort. Er liegt im Mausoleum des Familienschlosses in Schenna bei Meran in Südtirol begraben.

Quelle: Hans Magenschab, „Erzherzog Johann. Bauer – Bürger – Visionär“


Michael Lang – Leiter des skills.lab

Es ist eines der modernsten Sportlabors der (Fußball-)Welt, das von der Anton Paar SportsTec GmbH entwickelte skills.lab in Wundschuh. Hier wird mit Hilfe von Highspeed-Kameras, Sensoren und Lasern die Balltechnik perfektioniert, am letzten Zug zum Tor gefeilt und die Spielübersicht geprobt. Wir haben den Leiter Dr. Michael Lang zum Interview gebeten.


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